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Montag, 29. November 2010

Platten aus München

Phonoboy – This Is Not A Band

Die Münchner sind für französischen Charme bekannt. Und so ist dieser auch diesmal in ihrem neuen Werk zu finden und dazu jede Menge Indiedisco-Appeal, Synthiegewaber, geschmeidige Gitarrennummern und französischer HipHop. Très chic!

FÜR FANS VON: Nouvelle Vague, LCD Soundsystem, French Cuts

This Is The Arrival – This Is The Arrival

Das Debütalbum ist wirklich das Herzblut der 4 Jungs. Man merkt, wie viel Liebe und Emotionen in dem Erstling stecken. Von wunderschön melancholischen Liedern bis zu wunderbar tanzbaren Nummern hat dieses Album von vorne bis hinten alles drauf, was drauf sein sollte.

FÜR FANS VON: Phoenix, Shout Out Louds, Two Door Cinema Club

Lucky Fish – A Frog On The Highway

Ohrwurmqualität. Die Jungs von Lucky Fish haben wirklich gezeigt, dass sie verdammt gute Songwriter sind und sich somit in unsere Gehörgänge einschleichen. Hört euch Orchard, Roadkill oder Monday Afternoon an und ihr wisst, wovon ich spreche.

FÜR FANS VON: The Beatles, The Smiths, Bob Dylan, The Field Mice

Montag, 8. November 2010

Eels – eine Aversion gegen Wiederholungen

Mark Oliver Everett hat eine hingebungsvolle Aversion gegen jegliche Form der Wiederholung (nur um den Titel hier noch mal zu wiederholen). Everett betont die völlige künstlerische Freiheit. Mit Hombre Lobo (2009), End Times (2010) und Tomorrow Morning (2010) erschuff der Musiker eine wunderschöne Album-Trilogie.


Das rockigorientierte Werk Hombre Lobo stellt den Hörer vor einige Herausforderungen – erst beim zweiten, dritten Mal hören, erkennt man die unbestreitbare Genialität, welche sich hinter dem Album verbirgt und wo ruppige, wuchtige und überrissene Stücke wie "Prizefighter" mit sehnsüchtigen Klängen und der Zartheit wie in "All The Beautiful Things" einen wunderschönen Kontrast bilden.


Das von privatem Trennungsschmerz geprägte Album End Times ist der Nachfolger und entführt einen in eine völlig andere Welt. Everett musste schon früh einen Familienangehörigen nach dem anderen zu Grabe tragen und so wie viele der Eels Alben handelt auch End Times von tiefer, melancholischer Verlustangst, doch diesmal wurde eine Beziehung beerdigt. Der Opener "The Beginning" startet noch freundlich und ermutigend mit "...and everything was beautiful and free...", doch schon der zweite Song "Gone Man" lässt die Stimmung völlig umschwingen. In End Times sind die Lieder mit zauberhaften Melodien sparsam arrangiert und schlagen dem Hörer durch die Deutlichkeit der Texte über absolute Hoffnungslosigkeit, über harte, desperate Zeiten und über das schmerzhafte Gefühl, irgendwie durch den Tag kommen zu müssen, mit einer nicht gedachten, aber tief empfundenen Ernsthaftigkeit und Traurigkeit, aufs Gemüt. Der lang erhoffte Lichtblick lässt bis zum letzten Track "On My Feet" warten, denn am Ende ist man sich doch immer sicher "That I've been through worse..."


Kaum sieben Monate später beenden die Eels ihre Trilogie. Diese Zeit hat kaum ausgereicht, um Melancholie und Traurigkeit aus dem Herzen zu bannen und diese vergessen zu machen, doch Tomorrow Morning birgt schon im Titel eine neue sehnsüchtige Verheißung. Das Werk ist mit vielen freundlichen Melodien und verstreuten Hoffnungsschimmern in den sanften Klängen der einzelnen Stücke versehen.


So zurück zum Titel. 3 Alben in gut einem Jahr. Die meisten fragen sich und zwar berechtigter Weise, ob da nicht die Gefahr herrscht, zu kopieren. Doch hierzu gibts nur ein fettes Nein! Tomorrow Morning hebt sich genau wie Hombre Lobo und End Times nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich von den anderen zwei Brüdern ab. So ist die famose Dreierreihe überaus gelungen geschlossen und lässt sich auch viele Male, wiederholter Weise abspielen und anhören.

Dienstag, 24. August 2010

YEASAYER – abgefahren, einfach nur abgefahren



Am 19. August stürmten im Münchner 59:1 Yeasayer schon zum 2ten mal in 2 Monaten die Bühne. Mit den Worten „Glad to be back“ eröffneten sie die Show.

5 junge Kerle, die alle bis auf den Bassisten und den Schlagzeuger im Schnellakkord ihre Instrumente wechseln, um möglichst viele verschiedene Soundeffekte einbauen zu können.
So viel Action habe ich schon lang nicht mehr gesehen und macht definitiv Lust auf mehr.

Die Jungs aus Brooklyn, New York kamen 2006 zusammen und bezeichnen ihre sehr experimentierfreudige Musik als Middle-Eastern-Psych-Pop-Snap-Gospel. Verwirrt? Ein bisschen. Sie vermischen in ihren Songs verschiedene Kulturkreise, so kann man neben afrikanischen Stammesgesängen auch indische Bollywoodklänge vernehmen. Nur um zu sehen, was dabei herauskommt, verbinden sie verschiedene Musikstile – und das Ergebnis ist, kann sich hören lassen.

Mittlerweile ist auch das 2te Album erschienen und wieder einmal haben Yeasayer es geschafft, einen einzigartigen Sound zu kreieren. Auf den alternativen Radiosendern FM4, EgoFM und M94.5 werden die Hits, wie ONE, rauf und runter gespielt und erfreuen sich großer Beliebtheit.

Schön, dass sich noch eine Band traut, zu experimentieren und das auch wirklich was g’scheidts dabei raus kommt. Viel Vergnügen beim anhören und abgehen!

Donnerstag, 5. August 2010

The Doors – When You Are Strange

Vielleicht mögen einige von euch aufstöhnen und sich denken – oh man, schon wieder ein belangloser Dokumentarfilm über irgendeine todgehörte Band, welche ihren Zenith vor Jahren längst überschritten hat und nur mit dem tragischen Tod des Bandleaders noch ordentlich Kohle gemacht werden kann.

Mh….I do not think so. The Doors werden heutzutage immer noch auf diversen Radiosendern rauf und runter gespielt, Jim Morrison wird wie eh und je abgöttisch verehrt und als sensibler Rockpoet gefeiert.

Der Regisseur Tom DiCillo hat mit dem neuesten The Doors-Film When You Are Strange eine abgefahrene Reise in die Vergangenheit unserer Eltern inszeniert und weckt in der neuen Indiegeneration ein wahnsinnig intensives Gefühl, auch an dieser Zeit teil haben zu wollen.

“If the doors of perception were cleansed every thing would appear to man as it is, infinite”

Es gehört eigentlich schon zum Allgemeinwissen, wer The Doors sind, welche Songs ihre bekanntesten sind (Light My Fire, Hello, I Love You, Love Her Madly – nur so zur Erinnerung) und, dass der depressive Jim Morrison im zarten Alter von 27 Jahren seinen Tod fand. Eben mit dem mysteriösen Dahinscheiden des Leadsängers fand die Band zu ihrer Unsterblichkeit und bleibt bis heute eine Attraktion.

In DiCillos Film wird mehr oder weniger das Aufstreben, sowie Aufbegehren einer jungen amerikanischen Band, also auch deren Untergang chronologisch erzählt und mit einzelnen tatsächlichen Konzertsequenzen untermalt. Zeitgenössische Aufnahmen werden sind in schneller Schnittfolge montiert und durch viele andere kurze Ausschnitte anderer Filme, Fernsehauftritte, Sequenzen aus Jim Morrisons unvollendetem Filmprojekt. Neben diesen ganzen kleinen aber absolut unglaublichen Details wird die Geschichte von Johnny Depp als Stimme aus dem Off wiedergegeben und kommentiert.


Mit ihren provozierenden, kompromisslosen und stimulierenden Songs, sowie der hypnotisierenden Macht von Morrisons poetischem Sein und seiner alles umfassenden Präsenz haben The Doors einen nachhaltigen Eindruck nicht nur auf die Pop-Musik, sondern auch auf die Pop-Kultur, hinterlassen.


Also schaut euch den Film an, lasst euch mitreißen von der Komposition aus Musik und Poesie und fühlt euch wieder ein Stück mehr mit der guten alten Zeit des dreckigen Rock ‛n’ Rolls verbunden.

„Ich mag Ideen über den Zusammenbruch oder den Umsturz der etablierten Ordnung. Mich interessiert alles, was mit Revolte, Unordnung, Chaos zu tun hat – ganz besonders Handlungen, die scheinbar keinen Sinn haben. Das scheint mir, ist die Straße zur Freiheit – äußere Freiheit ist ein Weg, innere Freiheit zu erreichen.“

– Jim Morrison, Januar 1967