Mit dem 1969 erschienen Roman Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug hat es Kurt Vonnegut berechtigterweise zu den ganz großen Bestseller Autoren geschafft. Der Amerikaner lässt nicht nur seine Erlebnisse als Soldat in der Schlacht um Dresden am Ende des Zweiten Weltkrieges in das literarische Werk einfließen und etabliert eine ganz eigene Form des Anti-Kriegbuches, sondern verwandelt die komische Erzählung auch in ein Science Fiction Abendteuer für seinen Protagonisten Billy Pilgrim. Dieser reist ständig in der Zeit umher und springt von einem vergangenen Schauplatz zu einem zukünftigen und wieder zurück. Der Titel bestimmt den Ort an dem Vonnegut selbst die Luftangriffe auf Dresden mit erlebt hat – in einem Schlachthof.
So it goes…Alles wird bagatellisiert. Die Sterblickkeit, die Morde, die boshaften und unschönen menschlichen Charakterzüge.
1972 wurde das Werk verfilmt und erhielt den Preis der Jury bei den Filmfestspielen von Cannes.
Ein kurzes, wirres, schrilles Buch, für dass sich der Autor als Erzähler gleichwohl entschuldigt. Eine schöne und erfrischende Ablenkung im langweiligen Alltag.
Neben On the Road von Jack Kerouac und dem Gedicht Howl von Allen Ginsberg ist der Roman Naked Lunch von William S. Burrough das wichtigste literarische Werk der Beat Generation. Zuerst als literarischer Abschaum betitelt, wird Burroughs Hauptwerk und er selbst in den späten 70igern als Talisman der New York Punkbewegung gefeiert. „Up there with the Pope“ (Patti Smith). Der Schriftsteller kollaborierte in späteren Jahren sogar mit dem Nirvana Frontmann Kurt Cobain und David Bowie benutzte Burroughs Art zu schreiben und bekannte cut-up Technik, um den Text zu seinem Song Diamond Dogs zu verfassen.
Naked Lunch behandelt eine unglaubliche Menge damaliger Tabuthemen, wie Drogenkonsum, -sucht, Gewalt, Homosexualität, psychischer Wahnsinn etc. Die verschiedenen Handlungsstränge lassen keine Einheit erkennen, sind komplex miteinander verwoben und stellen keinen logischen Zusammenhang zueinander her. Eine harmonische Einheit ist nicht erwünscht. Doch um so ein Werk beschreiben zu können, fehlen, glaube ich, jedem die richtigen Worte. Man muss es selbst lesen, um sich mit dem gewaltigen Sturm mitreißen zu lassen, der auf einen einprallt.
„It is impossible to make a movie out of Naked Lunch. A literal translation just wouldn`t work.”
(David Cronenberg, welcher 1991 Naked Lunch auf die Leinwand brachte)
Mit The Rum Diary kommt im November nun ein weiterer Film mit Johnny Depp, der den Vagabunden und Journalisten Paul Kemp in der Hauptrolle verkörpert, von dem berühmt berüchtigten Journalistenautor Hunter S. Thompson in die Kinos.
Hunter S. Thompson schrieb den Roman 1959, doch erst 1998 fand dieser den Weg in die Veröffentlichung. der einstmalige Rolling Stone Reporter hatte ein abgefahrenes Leben und scheute sich niemals, offen und ehrlich das zu sagen, was ihm durch den Kopf ging.
Mit der Erfindung des Gonzo-Journalismus (gonzo steht hier für exzentrisch, verrückt, außergewöhnlich) begründete Thompson eine neue Art und Weise, sich von der Objektivität des distanzierten Schriftstellers abzuwenden und seine eigenen, völlig subjektiven Erfahrungen als Autor in die Geschehnisse der Geschichte mit einfließen zu lassen. So wird eine interessante Mischung aus Realität, autobiographischen Ansätzen und Fiktion hergestellt. Stilmittel sind Sarkasmus, Humor, vulgäre Schimpfwörter, Polemik und bekannte Zitate.
Auf Thompsons berühmtester „Forschungsreise“ Fear and Loathing in Las Vegas versuchte er, dem Amerikanischen Traum nachzugehen. Findet aber in dem verspulten Chaos aus Drogencocktails nur sein eigenes persönliches Scheitern und das des Amerikanischen Traumes.
Hunter S. Thompson nahm sich 2005 mit einem Kopfschuss das Leben – nicht aus Verzweiflung, sondern weil es einfach der richtige Augenblick war, um sich aus dem Leben zu stehlen.
„No More Games. No More Bombs. No More Walking. No More Fun. No More Swimming. 67. That is 17 years past 50. 17 more than I needed or wanted. Boring. I am always bitchy. No Fun -- for anybody. 67. You are getting Greedy. Act your old age. Relax -- This won't hurt."
Vielleicht mögen einige von euch aufstöhnen und sich denken – oh man, schon wieder ein belangloser Dokumentarfilm über irgendeine todgehörte Band, welche ihren Zenith vor Jahren längst überschritten hat und nur mit dem tragischen Tod des Bandleaders noch ordentlich Kohle gemacht werden kann.
Mh….I do not think so. The Doors werden heutzutage immer noch auf diversen Radiosendern rauf und runter gespielt, Jim Morrison wird wie eh und je abgöttisch verehrt und als sensibler Rockpoet gefeiert.
Der Regisseur Tom DiCillo hat mit dem neuesten The Doors-Film When You Are Strange eine abgefahrene Reise in die Vergangenheit unserer Eltern inszeniert und weckt in der neuen Indiegenerationein wahnsinnig intensives Gefühl, auch an dieser Zeit teil haben zu wollen.
“If the doors of perception were cleansed every thing would appear to man as it is, infinite”
Es gehört eigentlich schon zum Allgemeinwissen, wer The Doors sind, welche Songs ihre bekanntesten sind (Light My Fire, Hello, I Love You, Love Her Madly – nur so zur Erinnerung) und, dass der depressive Jim Morrison im zarten Alter von 27 Jahren seinen Tod fand. Eben mit dem mysteriösen Dahinscheiden des Leadsängers fand die Band zu ihrer Unsterblichkeit und bleibt bis heute eine Attraktion.
In DiCillos Film wird mehr oder weniger das Aufstreben, sowie Aufbegehren einer jungen amerikanischen Band, also auch deren Untergang chronologisch erzählt und mit einzelnen tatsächlichen Konzertsequenzen untermalt. Zeitgenössische Aufnahmen werden sind in schneller Schnittfolge montiert und durch viele andere kurze Ausschnitte anderer Filme, Fernsehauftritte, Sequenzen aus Jim Morrisons unvollendetem Filmprojekt. Neben diesen ganzen kleinen aber absolut unglaublichen Details wird die Geschichte von Johnny Depp als Stimme aus dem Off wiedergegeben und kommentiert.
Mit ihren provozierenden, kompromisslosen und stimulierenden Songs, sowie der hypnotisierenden Macht von Morrisons poetischem Sein und seiner alles umfassenden Präsenz haben The Doors einen nachhaltigen Eindruck nicht nur auf die Pop-Musik, sondern auch auf die Pop-Kultur, hinterlassen.
Also schaut euch den Film an, lasst euch mitreißen von der Komposition aus Musik und Poesie und fühlt euch wieder ein Stück mehr mit der guten alten Zeit des dreckigen Rock ‛n’ Rolls verbunden.
„Ich mag Ideen über den Zusammenbruch oder den Umsturz der etablierten Ordnung. Mich interessiert alles, was mit Revolte, Unordnung, Chaos zu tun hat – ganz besonders Handlungen, die scheinbar keinen Sinn haben. Das scheint mir, ist die Straße zur Freiheit – äußere Freiheit ist ein Weg, innere Freiheit zu erreichen.“