Freitag, 17. Juni 2011

A Million Little Lies?



Eine interessante, turbulente und zutiefst kontroverse Diskussion hat der US-amerikanische Autor James Frey mit seinen zwei Werken A Million Little Pieces und My Friend Leonard losgetreten. Seine angeblich autobiographischen Werke enthalten so viel Zündstoff, dass die Internetseite The Smoking Gun sich dazu berufen fühlte, seine dargestellten Tatsachen in den Büchern zu prüfen. Nun kam was kommen musste, es gab keinerlei Belege für Freys Erlebnisse und seine gefälschte Authentizität wurde zu einem Skandal. Selbst Oprah Winfrey, die das gefeierte Werk als Buch des Monats in ihrer Show vorstellte, äußerte sich schockiert und entrüstet, dass man aus Publikationsgründen eine falsche Identität annehmen muss.

Obwohl A Million Little Pieces ziemlich negativ aufschlug, ist der Roman eine wunderschöne Geschichte, die den Leser keine Sekunde ruhen lässt. Frey schildert hier seine fiktive Alkohol- und Drogensucht. Er lässt sich von seinen Eltern zu Beginn der Erzählung völlig demoliert in eine Entzugsklinik bringen. Es ist ein langer Weg für den gerade mal 23 Jährigen. Er macht eine Entwicklung durch, die ihn langsam immer mehr sein altes Ich abwerfen lässt und Zugang zu anderen Menschen findet und sich ihnen gegenüber auch endlich öffnet – ohne den geballten Zorn, welchen er die Fury nennt, zu spüren. Er lernt eine Verbindung zu seinen Eltern aufzubauen, verliebt sich in die Mitpatientin Lilly und findet in Leonard einen Freund fürs Leben. Spannend wird die Geschichte eines Junkies erzählt, der sich mit allen Mitteln von seiner Sucht lösen will und den Dämonen widersteht.

Also egal, ob das alles erfunden ist und mit A Million Little Lies betitelt wurde, ist dieser Roman doch wirklich ein Schmankerl, das äußerst lesenswert ist und eine fesselnde Geschichte erzählt. Man sollte nicht immer so viel auf Publicity geben und nach dem eigenen Gusto die Bücher beurteilen, ohne unbedingt den Autor und seine Biographie in den Blick zurücken.

Freitag, 27. Mai 2011

Einmal Text und Ton bei Clueso.



Clueso alias Thomas Hübner macht seit 1995 Musik und hat bis jetzt schon 5 Studioalben und 2 Livealben herausgebracht, was schon ziemlich beeindrucken ist. Der Solokünstler schafft es immer wieder sich in seiner Musik weiterzuentwickeln und sich selbst doch treu zu bleiben.

Der Erfurter begann seine Karriere als Rapper des Wostok Mob. Diese Hip Hop Crew vereinte Rappern, Sprayern und Tänzern. Nach seiner abgebrochenen Friseurelehre wurde er mehr oder wenig zufällig von seinem Manager Andreas Welskop entdeckt und 1999 unterschrieb er dann bei FOUR Music (dem von den Fantastischen Vier gegründeten Plattenlabel) seinen Vertrag, unter dem er heute immer noch Musik macht.

Im Laufe seiner Karriere hat sich sein Profil geschärft. Dennoch hat er seine Vielfältigkeit gewahrt und ist immer noch an vielen Projekten in unterschiedlichster Rollenbesetzung beteiligt – als Sänger, Songwriter, Produzent oder Bandleader. Seine zahlreichen Veröffentlichungen und Konzerte im Innland sowie im Ausland, haben Clueso zu einem der ganz großen im Musikgeschäft werden lassen.

Clueso holt sich immer wieder Verstärkung mit ins Boot. Der Kreis erstreckt sich über langjährige Freunde wie den Schlagzeuger, Musiker und Komponisten Tim Neuhaus, den Bassisten und Gitarrenspieler Alex Binder, den Ungarn Gyuri, den Toningenieur, Produzent, Berater Ralf C. Mayer, bis zu anderen Bands wie Freundeskreis. (um nur ein paar seiner Freunde zu nennen)

Sein größtes Nebenprojekt ist wahrscheinlich die Zusammenarbeit mit der STÜBA Philharmonie. Diese fand im Winter 2009 seinen bisherigen Höhepunkt, als er zusammen mit Band und Orchester quer durch Deutschland tourte.

Ein weiteres Projekt, welches wohl das persönlichste und intimste ist, nennt sich Clueso & Bernewitz Trio, bestehend natürlich aus Clueso, Christoph Bernewitz, Gitarrist der Clueso-Band, gibt dem Trio auch seinen Namen, Matthias Eichhorn am Kontrabass und Jan Roth am Schlagzeug. Alles was hier entsteht ist ein Geschenk, fortwährend etwas Neues und ist meist Improvisation während den Konzerten. Es wird eine Verbindung von Cluesos Poesie, Songs zu traditionellem und freien Jazz hergestellt. Die Größe der Gruppe kann auch variieren und durch mehrere Künstler unterstützt werden.

Nun ist aber auch das Diskofeeling in Clueso erwacht. Baris Aladag und Thomas Hübner bilden zusammen DISCOSTRESS. Sie geben Vollgas auf dem Dancefloor entweder als Duo, als Live-Set mit Gastmusikern und Visuals.

Auftritte 2011

28.05.2011 NJoy Star Show @ Expoplaza, Hannover

10.06.2011 Düsseldorf - Hangar 8 @ Jazzrally

12.06.2011 Pouch - Sputnik Spring Break 2011

15.06.2011 HR3 Open Air, Oberursel - Hessentagsarena

17.06.2011 Southside Festival, Neuhausen ob Eck

19.06.2011 Hurricane Festival, Scheeßel

21.06.2011 Clueso & Band @ Burg Abenberg (bei Nürnberg)

25.06.2011 DSJ Musikfestival @ Wacker-Arena, Burghausen

26.06.2011 B-Eupen, Musik Marathon

22.07.2011 Searock Festival, Bad Doberan

12.08.2011 CLUESO AND DISCOSTRESS

CH-Zofingen - Heitere Open Air

13.08.2011 CLUESO AND DISCOSTRESS

Saalburg - Sonne, Mond & Sterne

20.08.2011 Zauberhafte Abende @ Jagdschloss Herdringen

03.09.2011 Berlin - Die Neuen DeutschPoeten

@ IFA Sommergarten

11.09.2011 Köln, Tanzbrunnen

Donnerstag, 19. Mai 2011

Einer Flog Über Das Kuckucksnest - Im Volkstheater München

Von Dale Wassermann nach dem Roman von Ken Kesey

Regie: Simon Solberg
Kostüme: Katja Strohschneider

Die Geschichte von Randle P. McMurphy, der vom Gefängnis in die Psychiatrie verlegt wird und die Patienten dort mit Witz und Vehemenz zum Widerstand aufruft gegen fragwürdige Therapiemaßnahmen und die subtilen Mechanismen von Überwachen und Strafen. Basierend auf Ken Keseys Bestseller in der Dramatisierung von Dale Wassermann.

In dieser Inszenierung sieht man sich den interessanten literarischen Motiven wie Freiheit und Zwang, Macht und Ohnmacht, Überwachung und Strafe, Wahnsinn und Krankheit gegenüber. Man wird in eine Welt geworfen, mit der man sich nie auseinandersetzt und in Berührung kommt – dem Innenleben einer Psychatrie.

Aufführungen jeweils am:

21.05.2011, 31.05.2011, 07.06.2011, 08.06.2011, 19.06.2011, 29.06.2011


Donnerstag, 12. Mai 2011

Kurt Vonnegut – Slaughterhouse 5

Mit dem 1969 erschienen Roman Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug hat es Kurt Vonnegut berechtigterweise zu den ganz großen Bestseller Autoren geschafft. Der Amerikaner lässt nicht nur seine Erlebnisse als Soldat in der Schlacht um Dresden am Ende des Zweiten Weltkrieges in das literarische Werk einfließen und etabliert eine ganz eigene Form des Anti-Kriegbuches, sondern verwandelt die komische Erzählung auch in ein Science Fiction Abendteuer für seinen Protagonisten Billy Pilgrim. Dieser reist ständig in der Zeit umher und springt von einem vergangenen Schauplatz zu einem zukünftigen und wieder zurück. Der Titel bestimmt den Ort an dem Vonnegut selbst die Luftangriffe auf Dresden mit erlebt hat – in einem Schlachthof.

So it goes…Alles wird bagatellisiert. Die Sterblickkeit, die Morde, die boshaften und unschönen menschlichen Charakterzüge.

1972 wurde das Werk verfilmt und erhielt den Preis der Jury bei den Filmfestspielen von Cannes.

Ein kurzes, wirres, schrilles Buch, für dass sich der Autor als Erzähler gleichwohl entschuldigt. Eine schöne und erfrischende Ablenkung im langweiligen Alltag.

Dienstag, 12. April 2011

Portugal. The Man – Alaska ruft.


In Amerika gegründet überfallen die vier Kerle sturmartig im letzten Jahr den Rest der Welt. Natürlich sind sie noch nicht so bekannt, gelten aber als heißer Tipp in der Indierockszene. Diesen Sonntag spielen sie im Münchner Hansa 39.

Mit ihren sechs Alben, welche alle seit 2006 entstanden, haben die vier einen ordentlichen Spurt hin gelegt. WO man meinen könnte eine gewisse abgenutzte Vereinheitlichung stellt sich ein und die Songs stellen keine ordentliche Vielfalt mehr dar. Doch Portugal. The Man schaffen es immer wieder Rock- , Punk-, Elektro-, Soul- und HipHopelemente neu zu kombinieren, zwar eine gewisse Retrohaftigkeit nicht verlierend, und ihrem Publikum eine tolle intime Atmosphäre auf Konzerten zu bescheren.

Montag, 29. November 2010

Platten aus München

PhonoboyThis Is Not A Band

Die Münchner sind für französischen Charme bekannt. Und so ist dieser auch diesmal in ihrem neuen Werk zu finden und dazu jede Menge Indiedisco-Appeal, Synthiegewaber, geschmeidige Gitarrennummern und französischer HipHop. Très chic!

FÜR FANS VON: Nouvelle Vague, LCD Soundsystem, French Cuts

This Is The ArrivalThis Is The Arrival

Das Debütalbum ist wirklich das Herzblut der 4 Jungs. Man merkt, wie viel Liebe und Emotionen in dem Erstling stecken. Von wunderschön melancholischen Liedern bis zu wunderbar tanzbaren Nummern hat dieses Album von vorne bis hinten alles drauf, was drauf sein sollte.

FÜR FANS VON: Phoenix, Shout Out Louds, Two Door Cinema Club

Lucky FishA Frog On The Highway

Ohrwurmqualität. Die Jungs von Lucky Fish haben wirklich gezeigt, dass sie verdammt gute Songwriter sind und sich somit in unsere Gehörgänge einschleichen. Hört euch Orchard, Roadkill oder Monday Afternoon an und ihr wisst, wovon ich spreche.

FÜR FANS VON: The Beatles, The Smiths, Bob Dylan, The Field Mice

Montag, 8. November 2010

Eels – eine Aversion gegen Wiederholungen

Mark Oliver Everett hat eine hingebungsvolle Aversion gegen jegliche Form der Wiederholung (nur um den Titel hier noch mal zu wiederholen). Everett betont die völlige künstlerische Freiheit. Mit Hombre Lobo (2009), End Times (2010) und Tomorrow Morning (2010) erschuff der Musiker eine wunderschöne Album-Trilogie.


Das rockigorientierte Werk Hombre Lobo stellt den Hörer vor einige Herausforderungen – erst beim zweiten, dritten Mal hören, erkennt man die unbestreitbare Genialität, welche sich hinter dem Album verbirgt und wo ruppige, wuchtige und überrissene Stücke wie "Prizefighter" mit sehnsüchtigen Klängen und der Zartheit wie in "All The Beautiful Things" einen wunderschönen Kontrast bilden.


Das von privatem Trennungsschmerz geprägte Album End Times ist der Nachfolger und entführt einen in eine völlig andere Welt. Everett musste schon früh einen Familienangehörigen nach dem anderen zu Grabe tragen und so wie viele der Eels Alben handelt auch End Times von tiefer, melancholischer Verlustangst, doch diesmal wurde eine Beziehung beerdigt. Der Opener "The Beginning" startet noch freundlich und ermutigend mit "...and everything was beautiful and free...", doch schon der zweite Song "Gone Man" lässt die Stimmung völlig umschwingen. In End Times sind die Lieder mit zauberhaften Melodien sparsam arrangiert und schlagen dem Hörer durch die Deutlichkeit der Texte über absolute Hoffnungslosigkeit, über harte, desperate Zeiten und über das schmerzhafte Gefühl, irgendwie durch den Tag kommen zu müssen, mit einer nicht gedachten, aber tief empfundenen Ernsthaftigkeit und Traurigkeit, aufs Gemüt. Der lang erhoffte Lichtblick lässt bis zum letzten Track "On My Feet" warten, denn am Ende ist man sich doch immer sicher "That I've been through worse..."


Kaum sieben Monate später beenden die Eels ihre Trilogie. Diese Zeit hat kaum ausgereicht, um Melancholie und Traurigkeit aus dem Herzen zu bannen und diese vergessen zu machen, doch Tomorrow Morning birgt schon im Titel eine neue sehnsüchtige Verheißung. Das Werk ist mit vielen freundlichen Melodien und verstreuten Hoffnungsschimmern in den sanften Klängen der einzelnen Stücke versehen.


So zurück zum Titel. 3 Alben in gut einem Jahr. Die meisten fragen sich und zwar berechtigter Weise, ob da nicht die Gefahr herrscht, zu kopieren. Doch hierzu gibts nur ein fettes Nein! Tomorrow Morning hebt sich genau wie Hombre Lobo und End Times nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich von den anderen zwei Brüdern ab. So ist die famose Dreierreihe überaus gelungen geschlossen und lässt sich auch viele Male, wiederholter Weise abspielen und anhören.