Dienstag, 12. April 2011

Portugal. The Man – Alaska ruft.


In Amerika gegründet überfallen die vier Kerle sturmartig im letzten Jahr den Rest der Welt. Natürlich sind sie noch nicht so bekannt, gelten aber als heißer Tipp in der Indierockszene. Diesen Sonntag spielen sie im Münchner Hansa 39.

Mit ihren sechs Alben, welche alle seit 2006 entstanden, haben die vier einen ordentlichen Spurt hin gelegt. WO man meinen könnte eine gewisse abgenutzte Vereinheitlichung stellt sich ein und die Songs stellen keine ordentliche Vielfalt mehr dar. Doch Portugal. The Man schaffen es immer wieder Rock- , Punk-, Elektro-, Soul- und HipHopelemente neu zu kombinieren, zwar eine gewisse Retrohaftigkeit nicht verlierend, und ihrem Publikum eine tolle intime Atmosphäre auf Konzerten zu bescheren.

Montag, 29. November 2010

Platten aus München

PhonoboyThis Is Not A Band

Die Münchner sind für französischen Charme bekannt. Und so ist dieser auch diesmal in ihrem neuen Werk zu finden und dazu jede Menge Indiedisco-Appeal, Synthiegewaber, geschmeidige Gitarrennummern und französischer HipHop. Très chic!

FÜR FANS VON: Nouvelle Vague, LCD Soundsystem, French Cuts

This Is The ArrivalThis Is The Arrival

Das Debütalbum ist wirklich das Herzblut der 4 Jungs. Man merkt, wie viel Liebe und Emotionen in dem Erstling stecken. Von wunderschön melancholischen Liedern bis zu wunderbar tanzbaren Nummern hat dieses Album von vorne bis hinten alles drauf, was drauf sein sollte.

FÜR FANS VON: Phoenix, Shout Out Louds, Two Door Cinema Club

Lucky FishA Frog On The Highway

Ohrwurmqualität. Die Jungs von Lucky Fish haben wirklich gezeigt, dass sie verdammt gute Songwriter sind und sich somit in unsere Gehörgänge einschleichen. Hört euch Orchard, Roadkill oder Monday Afternoon an und ihr wisst, wovon ich spreche.

FÜR FANS VON: The Beatles, The Smiths, Bob Dylan, The Field Mice

Montag, 8. November 2010

Eels – eine Aversion gegen Wiederholungen

Mark Oliver Everett hat eine hingebungsvolle Aversion gegen jegliche Form der Wiederholung (nur um den Titel hier noch mal zu wiederholen). Everett betont die völlige künstlerische Freiheit. Mit Hombre Lobo (2009), End Times (2010) und Tomorrow Morning (2010) erschuff der Musiker eine wunderschöne Album-Trilogie.


Das rockigorientierte Werk Hombre Lobo stellt den Hörer vor einige Herausforderungen – erst beim zweiten, dritten Mal hören, erkennt man die unbestreitbare Genialität, welche sich hinter dem Album verbirgt und wo ruppige, wuchtige und überrissene Stücke wie "Prizefighter" mit sehnsüchtigen Klängen und der Zartheit wie in "All The Beautiful Things" einen wunderschönen Kontrast bilden.


Das von privatem Trennungsschmerz geprägte Album End Times ist der Nachfolger und entführt einen in eine völlig andere Welt. Everett musste schon früh einen Familienangehörigen nach dem anderen zu Grabe tragen und so wie viele der Eels Alben handelt auch End Times von tiefer, melancholischer Verlustangst, doch diesmal wurde eine Beziehung beerdigt. Der Opener "The Beginning" startet noch freundlich und ermutigend mit "...and everything was beautiful and free...", doch schon der zweite Song "Gone Man" lässt die Stimmung völlig umschwingen. In End Times sind die Lieder mit zauberhaften Melodien sparsam arrangiert und schlagen dem Hörer durch die Deutlichkeit der Texte über absolute Hoffnungslosigkeit, über harte, desperate Zeiten und über das schmerzhafte Gefühl, irgendwie durch den Tag kommen zu müssen, mit einer nicht gedachten, aber tief empfundenen Ernsthaftigkeit und Traurigkeit, aufs Gemüt. Der lang erhoffte Lichtblick lässt bis zum letzten Track "On My Feet" warten, denn am Ende ist man sich doch immer sicher "That I've been through worse..."


Kaum sieben Monate später beenden die Eels ihre Trilogie. Diese Zeit hat kaum ausgereicht, um Melancholie und Traurigkeit aus dem Herzen zu bannen und diese vergessen zu machen, doch Tomorrow Morning birgt schon im Titel eine neue sehnsüchtige Verheißung. Das Werk ist mit vielen freundlichen Melodien und verstreuten Hoffnungsschimmern in den sanften Klängen der einzelnen Stücke versehen.


So zurück zum Titel. 3 Alben in gut einem Jahr. Die meisten fragen sich und zwar berechtigter Weise, ob da nicht die Gefahr herrscht, zu kopieren. Doch hierzu gibts nur ein fettes Nein! Tomorrow Morning hebt sich genau wie Hombre Lobo und End Times nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich von den anderen zwei Brüdern ab. So ist die famose Dreierreihe überaus gelungen geschlossen und lässt sich auch viele Male, wiederholter Weise abspielen und anhören.

Freitag, 22. Oktober 2010

Naked Lunch – A book of great beauty. (Norman Mailer)


Neben On the Road von Jack Kerouac und dem Gedicht Howl von Allen Ginsberg ist der Roman Naked Lunch von William S. Burrough das wichtigste literarische Werk der Beat Generation. Zuerst als literarischer Abschaum betitelt, wird Burroughs Hauptwerk und er selbst in den späten 70igern als Talisman der New York Punkbewegung gefeiert. „Up there with the Pope“ (Patti Smith). Der Schriftsteller kollaborierte in späteren Jahren sogar mit dem Nirvana Frontmann Kurt Cobain und David Bowie benutzte Burroughs Art zu schreiben und bekannte cut-up Technik, um den Text zu seinem Song Diamond Dogs zu verfassen.

Naked Lunch behandelt eine unglaubliche Menge damaliger Tabuthemen, wie Drogenkonsum, -sucht, Gewalt, Homosexualität, psychischer Wahnsinn etc. Die verschiedenen Handlungsstränge lassen keine Einheit erkennen, sind komplex miteinander verwoben und stellen keinen logischen Zusammenhang zueinander her. Eine harmonische Einheit ist nicht erwünscht. Doch um so ein Werk beschreiben zu können, fehlen, glaube ich, jedem die richtigen Worte. Man muss es selbst lesen, um sich mit dem gewaltigen Sturm mitreißen zu lassen, der auf einen einprallt.

It is impossible to make a movie out of Naked Lunch. A literal translation just wouldn`t work.
(David Cronenberg, welcher 1991 Naked Lunch auf die Leinwand brachte)

Dienstag, 28. September 2010

Weezer wagen sich an den Klassiker: "Pinkerton"-Deluxe Edition erscheint im November!


Schlappe zwei Wochen ist es her, dass das achte Weezer-Studioalbum "Hurley" erschien. Die neue Scheibe mit dem "Lost"-Schauspieler auf dem Cover ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, verglichen mit dem katastrophalen "Raditude", doch Fans der frühen Weezer dürften immer noch nicht begeistert sein. Die können sich dafür über eine andere Nachricht freuen: Weezer werden im November ihr legendäres zweites Album "Pinkerton" in einer Deluxe-Edition mit Bonustracks neu veröffentlichen!


Für all jene, die sich in der Bandgeschichte der Amerikaner nicht so gut auskennen, hier ein kurzer Rückblick: 1994 erschien Weezers selbstbetiteltes Debütalbum, das sogenannte "blaue Album", das mit Sonnenscheinrock, mitreissenden Melodien und schüchtern-nerdigen Texten ein Riesenhit wurde. Nach dem Erfolg zog sich Bandleader Rivers Cuomo zurück, um neue Songs zu schreiben, die aufgrund seiner persönlichen Lage weitaus düsterer ausfielen. Das zweite Album "Pinkerton" von 1996 unterschied sich deshalb auch diametral vom poppigen Erstling. Es war viel rauher produziert, die Gitarren lärmten, das Schlagzeug schepperte und Cuomos Gesang wurde stellenweise zu einem Schreien. Dazu die Texte! "Pinkerton" lieferte tiefe Einblicke in ein zerrissenes, verunsichertes Seelenleben voller Ängste und Hoffnungen. Nichts da mehr mit Liedern über Frauen, wie man sie gerne hätte und über das Surfen.



Die Folge: "Pinkerton" floppte. Ein Großteil der zeitgenössischen Rezensionen ging scharf mit der Scheibe ins Gericht, das Label entzog der Band sein Vertrauen und wollte "Pinkerton" nicht angemessen vermarkten. Weezer gingen an dem Misserfolg fast zugrunde. Fünf Jahre sollte es dauern, bis das nächste Weezer-Album erschien. In der Zwischenzeit verschwand die Band von der Bildfläche, und Bassist Matt Sharp verließ die ohnehin kaum mehr existente Gruppe. Aber dann das: Plötzlich wurde "Pinkerton" gewürdigt. Immer mehr Leute erkannten die enorme Kraft, die Genialität hinter den verschrobenen Songs. Im noch jungen Internet wurden plötzlich wieder Rufe nach einem Weezer-Comeback laut. Und in der Tat kam die Band nach Jahren voller Selbstzweifel gestärkt zurück.


COLUMBIA, MD - AUGUST 30: Guitarist Brian Bell (L) and lead singer Rivers Cuomo of Weezer performs at the Virgin Mobile FreeFest on August 30, 2009 in Columbia, Maryland. The music festival gave away all 35,000 tickets for free. (Photo by Brendan Hoffman/Getty Images)

Nun gut, nach dem Comeback sollte Weezer leider nie mehr auch nur annähernd das Level von "Pinkerton" erreichen. Aber immerhin waren sie wieder zurück, und zwar produktiv. Jetzt wagen sie sich endlich an das mythenumrankte Album von 1996 heran und veröffentlichen Anfang November eine Deluxe Edition. Neben dem zehn Liedern des "normalen" Albums befinden sich noch insgesamt 25 Bonustracks auf den zwei CDs, zum Großteil Liveaufnahmen und unveröffentlichte Bonustracks. Das lässt doch das Herz jedes Musikfreunds höher schlagen.

Die komplette Tracklist der Deluxe Edition gibt es hier.

Mittwoch, 22. September 2010

Milan Kundera - einer der ganz Großen Autoren der Gegenwart


Milan Kundera ist einer dieser Autoren, von denen man nur ein Buch lesen muss, damit sie einen in den Bann ziehen. Der heutige 81-jährige gebürtige Tscheche gehört zu den bekanntesten Schriftstellern der Gegenwart und hat ein unglaublich reichhaltiges Gesamtwerk abgeliefert. Am Bekanntesten ist Kundera wohl für seinen 1984 erschienen Roman "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins". Er hat aber noch weitere Meisterwerke verfasst, die etwas im Schatten seines Erfolgsbuches stehen, aber keinen Deut schlechter sind.



Der am 01. April 1929 im tschechischen Brünn geborene Kundera war bereits als Kind ein begeisterter Musiker. Er arbeitete in seiner Teenagerzeit unter anderem als Jazzmusiker, bevor er sich 1948 an der Prager Universität einschrieb. Im selben Jahr trat er, wie die meisten seiner Altersgenossen, in die kommunistische Partei ein. 1950 wurde er allerdings ausgeschlossen und musste sein Studium für zwei Jahre unterbrechen. Trotzdem war Kundera, wie sein frühes dichterisches und schriftstellerisches Werk zeigt, lange Jahre ein systemtreuer Dichter. Er wurde erst in den 60er Jahren zu einem überzeugten Gegner des kommunistischen Regimes. Kundera war überzeugt davon, dass das totalitaristische System in der Tschechoslowakei das Individuum daran hinderte, seine Wünsche und Ziele zu verfolgen.

Schon in seinen ersten Meisterwerken "Der Scherz" (1967) und "Das Buch der lächerlichen Liebe" (drei Bände, erschienen 1963, 1965 und 1968) kam diese Kritik zum Tragen. In "Der Scherz" griff Kundera seinen eigenen Ausschluss aus der Partei auf und baute ihn in die Geschichte ein. Er engagierte sich immer stärker politisch und unterstützte den "Prager Frühling". Als diese Protestbewegung allerdings 1968 von sowjetischen Panzern beendet wurde und das stalinistische System daraufhin wieder gnadenlos durchgesetzt wurde, sah sich Kundera unter enormem Druck. Er wurde seines Lehrauftrags enthoben, und seine Werke wurden aus Bibliotheken entfernt bzw. nicht mehr neu publiziert.

Da Kundera eine "persona non grata" in Tschechien geworden war, nahm er 1975 nur zu gerne einen Ruf der Universität Rennes, wo er fortan als Dozent wirkte. Das tschechische Regime hinderte ihn nicht am Ausreisen. 1978 ging er weiter nach Paris, wo er bis heute lebt. Im selben Jahr erschien das "Buch vom Lachen und Vergessen", in welchem Kundera auf bittere Art und Weise mit der kommunistischen Partei abrechnet. Daraufhin wurde ihm die tschechische Staatsbürgerschaft entzogen, und seit 1981 ist er französischer Staatsbürger.

In die 80er Jahre fiel Kunderas größter internationaler Erfolg, "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" (1984). Hier spielt die Liebe als Gegenpol zum totalitären System eine große Rolle. Kunderas nächste große Werke "Die Unsterblichkeit" (1990) und "Die Langsamkeit" (1994) lösten sich dann von der Tschechischen Thematik und behandelten generelle Probleme der westlichen Welt - z.B. den Verlust der Identität in einem zusehendes modernisierten Staat. Der letzte der beiden genannten Romane war der erste, den Kundera nicht mehr auf tschechisch, sondern auf französisch schrieb.

Die poetische Sprache und Wortgewalt seiner Werke machten ihn berühmt und brachten ihm Verehrung von verschiedensten Literaturkritikern ein. Dabei ist Kundera beileibe kein "einfacher" Autor. In seinen Büchern kommen oft auch komplexe Passagen vor, die nicht leicht zu entwirren sind. Außerdem gibt er seit 1985 nur noch schriftliche Interviews, weil er sich zuvor oft falsch zitiert fühlte. Er verfügte auch, dass seine frühen, Kommunismus-freundlichen Werke, nicht mehr verlegt werden.

Dienstag, 21. September 2010

Musik, um den Sommer gebührend zu verabschieden

Schon seltsam: Kaum ist der Sommer rein meteorologisch dabei, sich langsam zu verabschieden und dem Herbst Platz zu machen, schon meldet sich die Sonne zurück. Im August hatten wir sie noch schmerzlich vermisst, doch im späten September werden wir von ihr noch einmal richtig verwöhnt. Was gibt es schöneres, als dieses unverhoffte Comeback ausgiebig zu nutzen und es sich auf dem Balkon oder im Garten gemütlich zu machen? Dabei darf dann natürlich auch die Musik nicht fehlen. Ich liste mal ein paar schöne Spätsommer-Platten auf, zu denen man wunderbar entspannen und den Blättern beim Herunterfallen zusehen kann.


Earl Greyhound - Suspicous Package (2010)
Das famose zweite Album der New Yorker Retro-Rocker erstrahlt in mehr unterschiedlichen Farben als der schönste Herbsttag - mal laut und bunt, mal leise und melancholisch.


Surfer Blood - Astro Coast (2010)
Indie-Rock gepaart mit Surfgitarren-Twang. Lässt einen an Strände und Meer denken, während gleichzeitig der Herbst schon klar durchscheint.


Weezer - Weezer (Blaues Album) (1994)
Der Klassiker. Nie gab es eine bessere Mischung aus krachendem Sonnenscheinrock mit zuckersüßen Melodien und verzweifelter Traurigkeit. Macht auch nach dem tausendsten Hören noch Spaß.


Manic Street Preachers - This Is My Truth, Tell Me Yours (1998)
Nie waren die Manic Street Preachers ruhiger, nie besinnlicher. Aber auch nie waren sie besser geeignet, dem Sommer beim Übergang in den Herbst zuzusehen. Großartige Hymnen wie "The Everlasting" und "If You Tolerate This ..." passen da wie die Faust auf's Auge.


Radiohead - The Bends (1996)
Die Indie-Gottheiten um Thom Yorke waren ja schon immer Garanten für den gepflegten Umgang mit eingängiger Traurigkeit. Ein Lied wie "Just" könnte im Alleingang einen ganzen Baum von seinem Herbstlaub befreien, so sehr haut es immer noch rein.



Oasis - Don't Believe the Truth (2005)
Die vielleicht missverstandendste, aber auch anmutigste Platte der Gallagher-Brüder. Es mögen zwar die großen Hymnen fehlen, dafür schlängeln sich Perlen wie "Turn Up the Sun" oder "The Importance of Being Idle" um so unaufdringlicher ins Ohr.